Die 10 entscheidenden Auswahlkriterien bei der Wahl Ihrer Tagesmutter oder der Kita

In unserem Beitrag stellen wir Ihnen die zehn Auswahlkriterien vor, die einer Fremdbetreuung ein Gesicht geben und Ihnen bestenfalls Hilfestellung geben, für sich und Ihr Kind eine Auswahl zu treffen. Je nach Person sind die einzelnen Kriterien sicherlich unterschiedlich in ihrer Wichtigkeit. Lesen und entscheiden Sie im Anschluss, welche der Punkte für Sie und allem voran für Ihren Sprössling große Bedeutung hat – und welche nicht

Betreuungsarrangement: familiär oder institutionell 

Ihnen stehen im Grunde zwei Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung: die familiäre und die institutionelle Betreuung.

Von einer familiären Betreuung spricht man, wenn die Betreuung in einer privaten Wohnung mit einer familiären Struktur stattfindet (Tagesmutter, Au-Pair, Großeltern, Verwandtschaft etc.). Die familiäre Betreuung hat viele Vorteile für das Kind: Es muss sein gewohntes Umfeld nicht verlassen, die familiäre Atmosphäre sorgt für ein „Daheim-Gefühl“, die Betreuungszeiten lassen sich oftmals leichter den Eltern anpassen/sind flexibler und es besteht mehr Rahmen für individuelle Absprachen.

Institutionelle Betreuung hingegen ist eine völlig anderer Form der Betreuung: Sie findet ausschließlich in Räumen statt, die einzig dem Betreuungszweck dienen, vor Ort arbeiten mehr als eine ausgebildete Betreuungsperson, die Strukturen sind nicht familiär, sondern professionell gestaltet (Betreuung und Förderung in Kindertagesstätten und Krippen). Auch diese Form der Betreuung genießt viele Vorteile: Ihr Kind genießt einen festgelegten Betreuungsstandard, das Personal ist professionell aus- und ggf. weitergebildet, die gesicherte Betreuung (auch wenn eine der Person des Personals wegen Krankheit etc. ausfällt), die institutionelle Betreuung ist in den meisten Fällen kostengünstiger als die familiäre und die Kinder können mit etlichen Altersgenossen spielen.

Betreuungsform: Krippe oder Tagesmutter

Wie oben bereits angesprochen, existieren bei der Betreuung etliche verschiedene Formen, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Die familiäre Betreuung kann abgedeckt werden durch eine Tagesmutter, Au-Pair. Babysitter, Kinderfrau oder auch durch Verwandtschaft. Bei dieser Form findet die Betreuung in deren Haushalt oder im Haushalt der Eltern statt – dies oftmals zusammen mit anderen Betreuungskindern oder dem eigenen Nachwuchs. Erhält die Betreuungsperson hierfür Geld und findet selbige mehr als 15 Stunden die Woche statt, ist eine Erlaubnis des Jugendamtes erforderlich. Die Kostenübernahme ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt: In den meisten Fällen übernimmt das Jugendamt die Kosten der Tagespflege und die Eltern zahlen – je nach finanzieller Lage – einen mehr oder weniger hohen Kostenbeitrag.

Ein Kindermädchen bzw. eine Kinderfrau betreut ein Kind im Haushalt der Eltern. In der Regel erfolgt hierbei die Anstellung und Bezahlung rein über die Eltern. Ein Au-Pair hingegen ist ein Familiemitglied auf Zeit: Das Au-Pair kommt aus einem anderen Land und lebt für sechs bis zwölf Monate in der Familie des zu betreuenden Kindes.

Auch die institutionelle Betreuung bietet unterschiedliche Arten an: Kindergärten, Kinderkrippen, Kindertagesstätten und Tagesgroßpflegen. Kindergärten erziehen Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt, in der Kinderkrippe werden Kinder von null bis drei Jahren betreut. Alle Einrichtungen, die Kinder den ganzen Tag betreuen, nennen sich Kindertagesstätten. In Tagesgroßpflegen betreuen mehrere Tagesmütter gemeinsam mehr als fünf Kinder in angemieteten Räumen.

Die Kosten für die institutionelle Betreuung hängen von vielen verschiedenen Faktoren wie  Region, Träger, Einkommen der Eltern, Betreuungumfang, Alter des Kindes usw. ab.

Träger: Städtische Kita oder Elterninitiative

Auch die institutionelle Betreuung unterscheidet sich in Deutschland stark in ihrer Trägerschaft: Rund zwei Drittel der Kindertageseinrichtungen finden sich in freier Trägerschaft, ca. ein Drittel in öffentlicher. Daneben gibt es noch einen geringen Teil an privatgewerblichen Trägern.

Als öffentliche Träger werden die Kommunen und Landkreise bezeichnet. Die Vielfalt an pädagogischen Konzepten  der Einrichtungen unterscheiden sich voneinander. Die Öffnungszeiten sind im Regelfall flexibel und können gut an die Arbeitszeiten angepasst werden. Die Mitarbeit der Eltern ist äußerst beschränkt. Evangelische oder katholische Kirchengemeinden oder auch Wohlfahrtsverbände sind zudem sehr oft die Träger von Kindertageseinrichtungen. Dementsprechend unterscheidet sich natürlich auch das pädagogische Konzept voneinander: religiös, humanitär oder politisch. Eltern- oder Erzieherinitiativen können nochmal unterschiedliche Konzepte aufweisen. Alle freien Träger sind gemeinnützige Organisationen oder Vereine.

Private Träger hingegen sind arbeiten gewinnorientiert und erhalten keine finanzielle Unterstützung von den Ländern. Eltern müssen hierfür 500 bis 1500 Euro monatlich einkalkulieren. Geboten wird für diese hohen Beträge im Regelfall eine qualitativ hochwertige und äußerst flexible Betreuung.

Freuen können sich alle Arbeitnehmer, deren Betriebe Unterstützung bei der Kinderbetreuung anbieten. Betriebskindertagesstätten werden als Sozialleistung subventioniert und sind daher für die Eltern meist äußerst kostengünstig.

Pädagogisches Konzept: integrativ oder offen

Das Angebot an pädagogischen Konzeptionen bei uns in Deutschland ist mit den Jahren immer vielfältiger geworden. Das pädagogische Konzept zeigt die Grundorientierung der Einrichtung und stellt die Qualität der Förderung und Erziehung sicher. Im Idealfall sollte dieses Konzept schriftlich ausformuliert und nachlesbar sein. Die Erzieher orientieren sich daran und die Eltern entscheiden, ob dieses Konzept zu ihrer Grundhaltung passt. Manche Einrichtung orientiert sich sehr gemäßigt daran, andere mischen verschiedene Ansätze und wieder anderer Einrichtungen halten sich penibel daran. Im Folgenden eine der häufigsten pädagogischen Konzepte:

Waldorf

Die Waldorf-Kindergärten bzw. Kinderkrippen zeichnen sich durch feste Rhythmen im Tages-, Wochen- und Jahresablauf aus. Selbiger soll den Kindern Sicherheit und Selbstbewusstsein vermitteln. Weiterhin charakteristisch für die Waldorf-Einrichtungen sind das Freispiel im Außen- und Innenbereich, das künstlerische Gestalten, Singen und Tanzen, der Märchenkreis sowie das aktive Miterleben der Jahreszeiten und Feste.

Tipp: Bevor Sie Ihren Nachwuchs in einer Waldorf-Einrichtung anmelden, sollten Sie sich vorab mit der Lehre von Rudolf Steiner (dem Begründer der Waldorf-Pädagogik) auseinandersetzen. Dessen Pädagogik vertritt nicht jedermanns Anschauung und einige der Kindergärten/Kitas vertreten eben diese Lehre 1:1.

Montessori

Die Montessori-Einrichtungen sind nach einer italienischen Ärztin – Maria Montessori – benannt und geführt. Ihrer Meinung nach entwickeln sich Kinder alleine, frei und spontan – sofern ihm die geeignete Umgebung zur Verfügung steht. In den Einrichtungen findet man alle Arbeitsmaterialien, die fünf verschiedene Lernbereiche abdecken: Das Material für das praktische Leben, das kosmische Material, die Sinnesmaterialen sowie die Mathematik- und Sprachmaterialien.

In den Montessori-Einrichtungen entscheiden die Kinder selbst, wann sie was oder mit wem sie spielen oder lernen möchten. Belohnungen und Strafen gelten als schädlich für die innere Motivation und werden daher nicht angewendet. Erzieher sollen die Kinder in ihrer Eigenständigkeit unterstützen, aber wenig eingreifen. Auch hier gilt: Schauen Sie sich vor der Anmeldung genau an, ob und in welcher Form das Konzept umgesetzt wird und ob dieses auch zu Ihnen und Ihrem Kind passt.

Fröbel

Einrichtungen in Anlehnung an die Pädagogik von Friedrich Fröbel sehen die Kinder als aktive, forschende und sich selbst bildende Menschen, denen mit Respekt und Achtung zu begegnen ist. Kernelement ist das freie Spiel. Bildung sollte seiner Meinung nach nicht von außen aufgezwungen werden, sondern  wird vom  Kind selbst gewählt. Die Erzieher geben die Kindern Hilfestellung, sich zu freien, selbstständig denkenden Menschen zu entwickeln.

In Deutschland gibt es einige Kindergärten, die nach Fröbels Prinzipien arbeiten. Die Kita-Konzepte bieten eine große Vielfalt wie z. B. den Waldkindergarten, die musikalische Früherziehung oder die zweisprachige Erziehung.

Reggio

Als Reggio bezeichnet man kein Pädagogikmodell, sondern eine Erziehungsphilosophie, die nach 1945 in den Krippen und Kindergärten der italienischen Stadt Reggio entstand. Diese Philosophie stellt ein optimistisches Menschenbild, Offenheit gegenüber Neuem sowie eine ganzheitliche Sichtweise des Lernens dar. Mittelpunkt des Konzepts ist das Kind als forschendes, neugieriges Wesen. Diese Wissbegierde lädt das Kind von selbst zum Experimentieren, Forschen und Gestalten ein. Projekte können alleine oder mit anderen durchgeführt werden.

Projekte werden nicht von langer Hand geplant, sondern vom Interesse des Kindes oder aus spontanen Erlebnissen durchgeführt. Die Erzieher können Anregungen geben, verstehen sich aber in erster Linie als Begleiter und Zeugen der Entwicklung ihrer Schützlinge. Demokratie wird hier groß geschrieben: Aktivitäten werden gemeinsam geplant und entschieden, Regeln werden gemeinsam diskutiert und festgelegt.

Situative Erziehung

Unterschieden wird zwischen dem Situationsansatz und dem situationsorientierten Ansatz. In ersterem werden alltägliche Situationen im Leben der Kinder dazu genutzt, dass sie lernen, sich selbstständig und teamfähig zurechtzufinden. Erzieher greifen Projekte und Themen aus dem Leben der Kinder auf, um diese gemeinsam mit ihnen durchzuführen. Natürlich werden die Wünsche und sozialen Hintergründe der Kinder dabei berücksichtigt.

Der situationsorientierte Ansatz hingegen richtet sich in erster Linie nach den verschiedenen Lebenssituationen der Kinder und Familien. Der Nachwuchs soll in seiner Selbstentscheidung und Entwicklung aktiv unterstützt werden. Hier bestimmen die Kinder selbst, welche Themen sie zu Projekten machen möchten. Zeiten und Aktivitäten werden spontan und situationsbezogen ausgewählt – im Voraus wird nichts geplant. Die Erzieher bringen den Kindern Wertschätzung und Offenheit entgegen.

Integrative Erziehung

Die integrativen Kitas und Kindergärten betreuen die unterschiedlichsten Kinder gemeinsam in einer Gruppe. Dies beinhaltet auch Entwicklungsverzögerungen, körperliche oder geistige Beeinträchtigungen oder Lernschwächen. Kinder mit Behinderungen lernen so, dass sie dazugehören und die anderen Kinder erfahren, dass es völlig normal ist, unterschiedlich zu sein. Natürlich stellen diese Einrichtungen sehr hohe Anforderungen an die Erzieher. Oftmals sind spezialisierte Kräfte mit im Spiel, um Kinder mit Behinderungen entsprechend zu fördern.

Offene Erziehung

Gruppenstrukturen sind in offenen Kitas nicht zu finden. Kinder können sich frei entscheiden, wohin sie gehen und was sie machen möchten – die Türen der unterschiedlichen Funktionsräume sind offen und in verschiedene Themenbereiche aufteilt. Erzieher sollen in erster Linie Begleiter, Zuhörer und Unterstützer sein.

Unterschiedlichste Schwerpunkte

Die Auswahl an Kindergarten- und Kita-Konzepten könnte nicht größer sein. Es gibt Kitas für hochbegabte Kinder, Wald-Kitas (hier können Kinder – egal welches Wetter) den Wald hautnah erleben können, interkulturelle Kitas und viele mehr. Viele Kitas vermischen die pädagogischen Konzepte und picken sich das für sie Passende heraus. Ein bisschen Montessori, ein bisschen Fröbel usw.

Essen

Selbstverständlich kommt dem Essen, das die Kinder in ihrer Einrichtung bekommen, eine große Bedeutung zu. Gutes Essen ist sehr wichtig, so viel steht fest. Doch was ist gutes Essen? Hier scheiden sich die Geister. Bio oder Konventionell, mit Fleisch oder vegetarisch (am Ende vielleicht sogar vegan)? Aus der hauseigenen Küche oder von einem Koch/Caterer geliefert?  Zum Teil wird das Essen (z. B. für das Frühstück oder den Snack zwischendurch von Zuhause mitgebracht).

Jede Kindertagesstätte und beinahe jeder Kindergarten regelt die Sache mit dem Essen individuell. Leider ist das Essen auch oftmals Streitpunkt zwischen den Eltern oder den Eltern und den Erziehern/der Kita-Leitung.

Raum und Ausstattung

 

Raum und Ausstattung klingt eher nach einem beiläufigen Thema. Dahinter verbirgt sich aber ein sehr wichtiges Thema für Eltern und Kinder. Die Bandbreite des Angebots ist aus diesem Grund sehr groß. Viele Kitas haben einen Spielplatz, der mit den Erziehern täglich besucht wird. Auch Gruppen- und Ruheräume zeichnen viele Kitas aus, weiterhin stehen Aktivitätsräume wie ein Musikzimmer, ein Zimmer zum Turnen, zum Basteln etc. hoch im Kurs. Auch die Ausstattung mit Spielzeug könnte unterschiedlicher nicht sein: In der einen Kita werden ausschließlich Naturmaterialien angeboten, in der anderen gibt es neben Holz und Filz auch allerhand Plastik und Elektronik bis hin zum speziellen Kinder-Computern.

Das Personal

Einem fremden Menschen sein Kind über längere Zeit anzuvertrauen erfordert ein großes Maß an Sympathie oder Vertrauen in die Fähigkeiten dieser Person. Die Fachkräfte in Kitas zeichnet in der Regel eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher aus. Doch wurden auch Fortbildungen gemacht, um mit der Zeit zu gehen? Welchen Erziehungsstil pflegen die einzelnen Fachkräfte? Natürlich ist eben jener Stil stark vom pädagogischen Konzept abhängig (siehe oben), doch jede Person bringt seine eigenen – ganz persönliche – Note mit in die Kindererziehung. Wie wünschen Sie sich, dass mit Ihnen und Ihrem Kind umgegangen wird?

Zeiten: Vollzeit oder nur Teilzeit?

Ein für jedes Elternteil wichtiges Thema ist die Betreuungszeit des eigenen Kindes. Wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten, muss das Kind natürlich auch ganztags in der Kita bleiben. Die Kitas sind in Sachen Zeiten mittlerweile sehr flexibel: Es gibt die Ganztagsbetreuung, die Teilzeitbetreuung am Vor-/Nachmittag, das verlängerte Vormittagsangebot von morgens bis nach dem Mittagessen oder die Betreuung bis zum Nachmittag. Mittlerweile existieren sogar Rund-um-die-Uhr-Angebote, die sich allem voran an Eltern im Schichtdienst richten.

Lage: Zu Fuß erreichbar oder nur mit dem Auto?

Für manche Eltern ein unwichtiger Gesichtspunkt, für mach andere jedoch entscheidend (steht beispielweise kein fahrbarer Untersatz zur Verfügung): Ist die von Ihnen ausgewählte Kita zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einfach zu erreichen oder brauchen Sie ein Auto? Sind Sie tatsächlich bereit, Ihr Kind jeden Tag hinzubringen und abends pünktlich wieder abzuholen?

Entscheidung treffen

Bestimmt haben Sie sich jetzt bereits einige Gedanken um das pädagogische Konzept, das Ihnen am meisten zusagt, gemacht. Bevor Sie nun eine Entscheidung treffen und sich in verschiedenen Kitas bewerben, sollten Sie Ihre persönliche Wünsche schriftlich festhalten. Was versprechen Sie sich von der Erziehung Ihres Kindes in der Kita? Ordnen Sie Ihren Auswahlkriterien Prioritäten zu. Wenn Sie sich dann verschiedene Einrichtungen ansehen, können Sie entscheiden, wie weit die jeweilige von Ihren Prioritäten abweicht. Wir wünschen Ihnen nun ganz viel Spaß beim Planen und Auswählen Ihrer Kindertagesstätte!

 

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