Kinder per GPS überwachen – Geht das zu weit?

Was haltet ihr davon? Wie geht ihr mit der Gefahr um?

Kurz mit Marielle gespielt und Tom herbeigerufen. Wo aber ist Dagmar? Dagmar, wo bist du? Komm bitte! Wie wild herumgesucht. Hat jemand Dagmar gesehen? Felix, du hattest doch mit Dagmar gespielt? Minuten der Verzweiflung und plötzlich hörte ich ein wimmern im Wald. Da ist Dagmar! Sie hat den Schmetterling verfolgt, ist auf einem Stock ausgerutscht und die neue Jacke ist kaputt gegangen. Sie hatte Angst, was Mama sagt!

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Jetzt los und die Freiheit genießen?

Dies ist eine fast alltägliche Situation von mir als Tagesmutter. Wir können die Augen nicht immer überall haben! Ein Kind aus meiner Gruppe ist immer experimentierfreundig und wenn es nur die Grenzen austesten will. Nicht sehr lang, häufig nur ein paar Sekunden. Kinder verstecken sich gerne, aber die Herzschmerzen sind groß. Können uns in diesem Fall technische Hilfsmittel
helfen? Gerade von der Seite der Eltern wurde schon öfters der Wunsch geäußert immer zu wissen, wo das Kind denn ist. Ausflüge sind kein Problem, aber die Eltern wollen doch genau wissen wohin.

Sind GPS-Sender für Kinder die Alternative oder geht die Überwachung zu weit?

Welche Arten der Überwachung gibt es?

  • Per Smartphone-App
  • Als Gerät

Die Smartphone App (Pocket Nanny, Family Tracker) wird auf dem Telefon des Kindes und der Eltern installiert. Im Anschluss kann die Position abgerufen werden. Allerdings funktioniert das Programm nur mit der Eltern-App, andere Personen – ich als Tagesmutti – können nicht darauf zugreifen. Zudem ist ein Mobiltelefon in Kinderhänden wahrlich riesig und wird daher nicht immer mitgenommen. Für Tageskinder unter 7 Jahren ist eine solche Lösung unpraktisch und ein Smartphone für die Kinderhände nicht geeignet. Natürlich könnte man auch ein altes Telefon im Rucksack verstecken, aber das funktioniert auch nicht zu jeder Zeit.

Praktische Geräte gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Nennen sich GPS Tracker und können Personen finden. Daher wird häufig der Name Personentracker benutzt. Dazu kann der Empfänger angerufen werden und sendet kurze Zeit später eine Antwort als SMS mit seinen Positionsdaten. Viele dieser Geräte lassen sich mit einem Ortungsportal koppeln. Also wird die Position direkt auf einer Karte angezeigt.

Per Knopfdruck kann selbst das Kind einen Notruf absetzen. Je nachdem, wie das GPS-Gerät konfiguriert wurde, ruft der Tracker eine vorher abgespeicherte Telefonnummer an. Aus Sicht der Eltern ist es aber wohl von größeren Interesse den Standort des Kindes bei Bedarf herauszufinden.

Spezialanbieter, wie Wo-ist-lilly.de verkaufen Uhren in verschiedenen Farben. Andere Uhren sind nicht so auffällig und können gar als elektronische Fußfessel gehandhabt werden. Sprich, wenn der Schließmechanismus geöffnet wird, erhält der Empfänger ein Signal. Soweit möchte ich aber gar nicht gehen.

Weitere Geräte sehen wie eine kleine Streichholzschachtel aus. Auf jeden Fall gibt es diese in den unterschiedlichsten Größen und Ausführungen. Für den Hosenbund, für die Hosentasche, als Anhänger oder … . Ein meiner Kinder besitzt ein Modell mit dem kryptischen Namen TL206. Der Akku hält eine Arbeitswoche – die Eltern sollen am Wochenende aufladen – besitzt einen Aufhänger und ist so groß wie eine 1000er Packung Heftklammern. Natürlich kann das Kind das Gerät nicht in der Hand halten und am Körper befestigen. Mit einem Gewicht von 50g kann es aber auch prima in der Jacke oder im Rucksack verstaut werden.

Kinder virtuell einzäunen

Eine Funktion die so gruselig wie praktisch klingt, nennt sich Geofencing. Je nach Software und Anbieter lassen sich damit virtuelle Zäune auf einer Karte festlegen. Also Bereiche, in denen sich die Kinder bewegen dürfen. Verlässt eines der Kinder einen solchen Bereich, dann schlägt das Gerät Alarm und der Verantwortliche erhält eine Benachrichtigung.

Die einen nennen es Überwachung, ich nenne es ein Plus an Sicherheit. Niemand wird dazu gezwungen aber hätte Dagmar ein solches Gerät besessen und ich hätte einen Zaun um unsere Spielwiese gezogen – wie gehen immer hierher – hätte mich mein Smartphone gewarnt. Besorgte Eltern können gar mehrere Zonen festlegen, wie der Schulweg oder den Bereich des Gartens.

Was gibt es zu beachten?

Wichtig ist ein Gerät zu wählen, welches euer Kind nicht stört. Daher eignen sich Uhren besonders gut. Aber auch der Akku muss mindestens 24 Stunden halten, auch wenn er ständig die Position weiter gibt. Wenn die „Uhr“ am Handgelenk getragen wird, eignen sich natürlich bunte Produkte mit Kindermotiven. Hiervon gibt es mittlerweile eine große Auswahl.

Kindern sollte die „Überwachung“ mitgeteilt werden, denn es gibt auch Ihnen Sicherheit. Andernfalls ist es durchaus möglich, dass Sie den Sender nicht mitnehmen. In jeden Fall sollte aber ein Gespräch zwischen den Eltern und der Tagesmutter stattfinden. Denn auch motivierte Eltern müssen die Überwachung der Tagesmutter mitteilen. Zumindest sollte ein klärendes Gespräch stattfinden.

Ist die Überwachung kein Eingriff in die Privatsphäre?

Datenschutz oder der Schutz der Privatsphäre wird in Deutschland groß geschrieben. Aber ab welchem Alter beginnt diese? „Jede kontinuierliche automatische Positionsübertragung oder Ortungsmöglichkeit von Außen“ stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar. Im Fall der Tagesmutter muss also das Einverständnis der Tageskindbetreuung und der Eltern gegeben sein.

Sind die Kinder unter 16 Jahre, müssen sowieso nur die Erziehungsberechtigten einer Ortung zustimmen.

Quelle: Heise.de – „Ich weiß genau, wo Du bist!“

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